Rainer Sladek

Rainer Sladek

Interior Designer

Rainer Sladek, Jahrgang 1968, studierte zunächst Fremdsprachen an der Ludwig-Maximilians-Universität München und später Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim. Seine Projekte - als Partner im internationalen Architekturbüro HENN in Berlin, München und Peking und derzeit im Münchner Büro Designliga - führen ihn durch die Metropolen der Welt. Kulturen und Subkulturen und alles dazwischen treiben ihn an und weiter.

Wir haben noch das ganze Leben

Eshkol Nevo
Die Männer- Lebensfreundschaften von vier Freunden in Tel Aviv. Der konfliktreiche Alltag in Israel sowie die Frage, ob und wie Veränderung möglich ist, im eigenen Leben wie im größeren Zusammenhang, werden thematisiert.

Klingt zunächst flach nach Männerthemen, dachte ich, wurde mir aber von meiner besten Freundin empfohlen. Der Autor Nevo zeichnet gelungen ein sehr intensives und am Ende auch trauriges Bild über das komplexe Geflecht von Freundschaft, Erwartung, Lebenszeit und persönlichen Schicksalen im modernen Israel. Und nach Israel will ich ohnehin in den nächsten vier Jahren, auch ohne WM.

Rainer Sladek

So was von da

Tino Hanekamp
Es ist Silvester und auf dem Kiez in St. Pauli beginnt die irrste Nacht des Jahres. Ein Hamburger Feuerwerkroman, der "gut los knallt" (Udo Lindenberg).

Eine crazy letzte Sylvesternacht mit Herzrasen und Remmidemmi bis zum Gedächtnisverlust im fiktiven Hamburger Kiezclub in St. Pauli. Besitzer Oskar, 23, dreht mit seinen konfusen Freunden noch mal richtig am Rad, bevor die Abrißbirne kommt, um den Laden endgültig dicht zu machen. Ein Millieu-Roman und Tipp von meinem Hamburger Freund Tommi. Macht Lust auf die Stadt und auf das „Uebel & Gefährlich“, dem echten Club, den der Autor Tino Hanekamp mitgegründet hat, in dem es angeblich heute weit weniger apokalyptisch hinter den Kulissen zugeht. Wir sind am Türsteher gescheitert, too chic.

Rainer Sladek

Endlich Kokain

Joachim Lottmann
Die Geschichte eines politisch korrekten Spießers vom armen Schwein zum It-Man der Kunst- und Medienszene – dank Kokain! Ein furioser Anti-Entwicklungsroman im Strudel dekadenter Abenteuer.

Durch die Hintertür in den Wiener Kunstbetrieb geschlichen, mit zunehmender Geschwindigkeit und Lug und Trug zum Kunstmacher aufgestiegen und mit Highspeed in der Berliner Bohème gelandet. Eine selbstauferlegte Kokain-Diät führt den lebensbedrohlich übergewichtigen Fernsehjournalisten Stephan Braum aus seiner eigenen Tristesse auf die Überholspur in die Kunst- und Medienwelt beider Hauptstädte. 

Recht witzig und überzeichnet geschrieben, dem anspruchsvolleren Leser und dem stetig abnehmenden Protagonisten wünscht man allerdings auch mal eine Pause.

Rainer Sladek

Die Vegetarierin

Han Kang
Ein hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

Wer Südkorea kennt, der weiß, wie man dort als Vegetarier in dem starren Regelwerk der männerdominierten Konsumgesellschaft auf allgemeine Verständnislosigkeit trifft. Hier werden Mengen an Fleisch und Fisch verzehrt wie nirgendwo sonst und wenn man glaubt, man platzt gleich, wird weiterbestellt. 

Die sehr düstere, irritierende Geschichte führt einen tief in den Lebensalltag eines jungen Ehepaars in Seoul und damit zugleich hinter die Kulissen und die sozialen Strukturen der Megacity. Dass die plötzliche, totale Verweigerungshaltung der Protagonistin Yeong-Hye nicht gut ausgehen kann, wird einem schnell klar.

Rainer Sladek

Der Distelfink

Donna Tartt
Die Odyssee des Protagonisten Theo Decker, der aus der New Yorker Upperclass gerissen wird und als tablettensüchtiger Zocker in Las Vegas strandet, verwebt moralische Diskussionen kunstvoll mit Tarantino-Showdown und fetzigem Stil.

Unbedingt noch schnell lesen, bevor die Verfilmung in die Kinos kommt! Ein Wahnsinnsroman, obwohl vom Icherzähler Theo irgendwie seltsam passiv und neutral, dafür unglaublich detailliert beschrieben, musste ich ihn auf einen Sitz durchlesen. Er führt einen anfangs durch ein New York des letzten Jahrhunderts, Greenwich Village, Kunst, Antiquitäten, dann Las Vegas, Drogen, wieder New York, Betrug, Fälschungen, Liebe, Nichtliebe und wächst in Amsterdam letztlich zu einem absurden Krimi aus. 

Donna Tartt schreibt so großartig, den Pulitzer Preis 2014 hat sie dafür jedenfalls auch bekommen. Verfilmt wurde das Buch nun 2019 mit „Baby Driver“ Ansel Esgor und Nicole Kidman.

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