Buchempfehlungen
für Hamburg

So was von da

Tino Hanekamp
Es ist Silvester und auf dem Kiez in St. Pauli beginnt die irrste Nacht des Jahres. Ein Hamburger Feuerwerkroman, der "gut los knallt" (Udo Lindenberg).
Eine crazy letzte Sylvesternacht mit Herzrasen und Remmidemmi bis zum Gedächtnisverlust im fiktiven Hamburger Kiezclub in St. Pauli. Besitzer Oskar, 23, dreht mit seinen konfusen Freunden noch mal richtig am Rad, bevor die Abrißbirne kommt, um den Laden endgültig dicht zu machen. weiterlesen
Rainer Sladek

Rainer Sladek

Interior Designer

Der goldene Handschuh

Heinz Strunk
Im Goldenen Handschuh auf der Reeperbahn versammeln sich die total Abgerissenen. Darunter der Frauenmörder Fritz Honka, eine historische Figur, der hier seine Opfer findet.

Goldener Handschuh ist eine Kneipe in Hamburg. Auf eine sehr menschliche Art wird ein soziales Umfeld beschrieben, zu dem der normale Leser vermutlich schwerlich Zutritt hat. Ich würde es nicht zwingend als Reiseführer für Hamburg sehen, aber es beschreibt etwas, was es ausser bei Jörg Fausers Frankfurt in keiner anderen deutschen Stadt gibt. 

Martin Fengel

Martin Fengel

Fotograf

Die Palette

Hubert Fichte
Das Hamburger Kellerlokal "Die Palette" war Treffpunkt der Außenseiter. Hubert Fichtes legendärer Roman ist ein Seismograph für den wachsenden Protest der sechziger Jahre und die Pionierleistung deutscher Popliteratur.

Held.

Christopher Roth

Christopher Roth

Künstler & Regisseur

Luftkrieg und Literatur

W. G. Sebald
Die überarbeiteten Zürcher Poetikvorlesungen von W.G. Sebald über literarische Bemühungen, mit den Realitäten der Nachkriegswelt in Deutschland zurechtzukommen und das Versagen der deutschen Autoren gegenüber dem Luftkrieg.

Luftkrieg und Literatur erscheint 1999. Im selben Jahr, genau am 24. März 1999, ging in Deutschland die Nachkriegszeit zu Ende. In der Operation Allied Force beteiligte sich die deutsche Luftwaffe erstmals nach Ende des Zweiten Weltkrieges an einem bewaffneten Kampfeinsatz. „Der Aufsteiger“, so betitelt der Historiker Edgar Wolfrum seine 2020 erschienene Geschichte Deutschlands von 1990 bis heute, verschob sein oberstes politisches Gebot der Gewalt: aus „Nie wieder Krieg“ wurde „Nie wieder Auschwitz“. Luftkrieg und Literatur „war ausgegangen von Carl Seeligs Schilderung eines Ausflugs, den er im Hochsommer 1943 mit dem Anstaltspatienten Robert Walser gemacht hatte genau an dem Tag, auf den dann die Nacht folgte, in der die Stadt Hamburg im Feuer zugrunde ging.“ Seebald analysiert die Leerstelle die der Luftkrieg über Deutschland in der deutschsprachigen Literatur hinterließ und diagnostiziert ein „Versagen vor der Gewalt der aus unseren ordungswütigen Köpfen entstandenen absoluten Kontingenz.“ Das „verheerende Grauen“ des Luftkrieges über Deutschland scheine „kaum eine Schmerzensspur“ hinterlassen zu haben. Vielmehr wurde versucht daraus „ein Ruhmesblatt im Register dessen zu machen, was man erfolgreich und ohne ein Anzeichen innerer Schwäche alles überstanden hat.“ W.G Seebald wählt hier das seltene Wort Ruhmesblatt. Es erinnert an ein ganz anderes, „niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt“ aus dem Kriegsjahr 1943. Das „gnadenlose“ Ausmass der durch die „Fachleute des Schreckens“ ausgelösten Ereignisse erschliesst sich, wenn überhaupt, bloss „unter einem synoptischen, künstlichen Blick.“ Die Dokumentation bedarf der Fiktion. Von Seite 35 bis Seite 80 unternimmt Seebald den Versuch, den Einsatz einer „Naturgeschichte der Zerstörung“ zu finden. Dabei nimmt er immer wieder die in der Nacht vom 28. Juli begonnene und >Operation Gomorrha< betitelte „vollständige Vernichtung und Einäscherung der Stadt“ Hamburg in den künstlichen Blick. Seebald grenzt seinen Blick zum Schluss scharf von Alexander Kluges Blick ab, der „aller intellektuellen Unentwegtheit zum Trotz, auch der entsetzensstarre des Engels der Geschichte“ sei. Der Seebaldsche Blick, der der das noch nicht niedergeschriebene Lesenden, gleicht dem in der Ludovico Technique festgeklammerten Blick von Alex in Clockwork Orange. No more Singing in the Rain. The Fire Next Time.

Michael Stöppler

Michael Stöppler

Soziologe

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